FREIGEIST


Das schlimmste, was du mir antun kannst, ist der Spiegel vorm Gesicht



Ich dachte immer, ich kenne mich gut. Ich bin ein Mensch, der sich viel mit sich selbst beschäftigt, frei nach dem Motto: Sich selbst zu kennen ist die wichtigeste Voraussetzung, um andere kennen zu lernen. Ich kam so mit allem klar. Mit meinen sich streitenden Eltern, mit Freundinnen, die mir ihre tollen Beziehungen und meine gescheiterten unter die Nase rieben. Kam damit zurecht, dass meine Eltern mich ständig zum abnehmen bewegen wollten, damit, wieder versetzt worden zu sein und damit, von allem mit dem Studium genervt zu werden, ohne mir sicher zu sein, wie ich überhaupt das Abitur schaffen sollte. Ich kam zurecht, weil ich mich kannte. Ich wusste, dass ich die Klappe halten und mich durchbeißen würde, egal wie sehr mich das alles mitnahm. Wie immer, eben.

Doch das Selbstbild und das von anderen sind zwei verschiedene paar Schuhe. Während ich mich für schüchtern, sensibel, angenehme Gesellschaft und hilfsbereit erachtet hatte, sahen mich andere als manipulativ an. Eine Person, die ihr angeblich gutes Aussehen - von dem ich bisher nichts mitbekommen hab (man bedenke die Aussagen wie "Ich hätte gern ne hübsche Tochter, lass den Nachtisch weg" ) - ausnutzt, verzogen und selbstverliebt ist. Und diese Person, die mir in Form eines Spiegels unter die Nase gehalten wurde, war mir dermaßen fremd, dass ich vor mir selbst erschreckte.

Zu wissen, dass mich meine Freunde für ein solches Prinzesschen hielten und wohlmöglich auch andere das so sahen hat einfach so alles über den Haufen geworfen. Alles, wofür ich mich gehalten hatte und damit das, was mir Halt gab. Ich wusste ohnehin nicht mehr, wem ich mich zuwenden sollte - jetzt ist das letzte bisschen Vertrauen auch aufgeknackt und liegt wie ein hässliches Schalentier in einer Suppe von negativen Eindrücken meinerselbst.

Wenn ich nicht weiter weiß gibt es immer eine Person, die meine Notbremse ist. Meine Mutter. Wenn sie sagt, dass es nur wichtig ist, dass ich mit mir selbst zurecht komme, dann ist es so. Wenn sie mir rät, die anderen reden zu lassen, dann tu ich das. Wenn sie wütend ist und sagt, die hätten doch keine Ahnung von mir und wie sehr mir das wehtun würde, dann ist ihr Ärger meine Höhle, um mich darin zu verkriechen. Die weiße Fahne lasse ich stecken, denn ich habe meinen stärksten Verteidiger und meinen beratensten Mann im Heer wieder gefunden. Fragt sich nur, wie lange sie die Schlacht in mir drin noch mitspielt.

19.1.10 16:06


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