FREIGEIST


Hassliebe oder Liebeshass?



Man denkt, man hat es überstanden. Man denkt, er sei einem egal. Man denkt, dass alles wieder gut ist und alles einigermaßen verheilt. Man denkt, der Abend wird gut und schön. Man denkt.

Und dann taucht er auf. Einfach so, wie aus dem Nichts. Mit einem Strahlen, dass sich nicht an einen selbst richtet sondern an Andere und mit seiner Art, die ihn bei allen beliebt macht. Er führt sich auf wie ein Star, der Hahn im Korb, das Zentrum der Manege. Und es durchzuckt einen ein Schmerz, gepaart mit dem Wunsch, dass er einen bemerkt. Dass er sich erinnert, wenigstens grüßt. Doch nein.
So ging es mir gestern. Jemanden wieder zu sehen zerstört die Verdrängung ganz schön. Es fühlt sich aufeinmal so an, als würden alle Nähte platzen und alles bräche aus einem wieder heraus. So, als schreie einem das Unterbewusstsein ein lautes "Haha, das hast du nun davon" ins Gesicht. Ist das dann Dummheit gewesen? Es fühlte sich doch so nichtig an. So, als ob es endlich vorbei wäre. Die Erkenntnis kam so plötzlich, dass ich nichts tun konnte. Ich stand da und hab geweint. Einfach nur geweint.
Nun, ich hatte zwei Optionen: Gehen oder Trinken. Ich habe mich für letzteres entschieden. Hat auch ganz gut geklappt, wenn auch unter Tränen. Ich habe nette Worte zu hören bekommen, Umarmungen und von jedem, von dem ich wollte, mehr Alkohol. Doch das half nichts. Und auch ihm meinen halben Becher über den Kopf zu halten brachte nichts.
"Womit hab ich das nun bitte verdient?" Und ich hab erzählt. An der Wand gelehnt, ihn nicht angesehn und erzählt. So gut es eben ging, vermutlich nicht gut genug. Irgendwann wurde es mir zu blöd. Er sollte sich aufregen, doof darstehen. Nicht das Niveau haben, das ich nicht hatte. Er sollte aufhören, toll zu sein. Da zu sein. Meinen Abend zu versauen. "Es interessiert dich doch eh nicht. Warum gehst du nicht einfach?" Und er ging. Einfach so. Dabei wollte ich doch Widerworte. Und das einzige was ich bekam war ein mitleidiger Blick seines besten Freundes.
Jetzt fühl ich mich peinlich, niveaulos und ausgelaugt. Es tut mir nicht leid um ihn, sondern um meine Würde. Ich fühle keine Genugtuung, was eigentlich mein Ziel war. Und ich muss mir eingestehen, dass mich meine versteckten Emotionen überrannt haben wie eine Armee. Und ich war leider nur mit Alkohol bewaffnet.

5.12.09 15:38
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


sass (5.12.09 18:29)
Hey, ich hab das grad durch Zufall gelesen. So anonymer Rat ist nicht besonders gut, ich weiß. Aber ich hab genau die gleiche Dummheit auch schon gebracht. Da gibt es nicht wirklich etwas, das hilft. und ich muss sagen, du solltest versuchen damit klarzukommen, egal wie schwierig es ist. Was bringt es schon, dich zu betrinken und ihm nachzutrauern. Versuch dich an deine Freunde zu halten und dir von seiner Anwesenheit nicht die Laune verderben zu lassen. Und das wird mit der Zeit wirklich einfacher. Du lebst doch für dich, du willst spaß haben und das hast du auch verdient. Versuch dir nicht so viele Gedanken zu machen oder dir vorzustellen, was wäre wenn... Schau nach vorne und genieß das Leben.


Schokobanane / Website (6.12.09 22:25)
Oooh. OOOOh. Ja. Betrunken. Hab ich Samstag auch gemacht. In der Öffentlichkeit. Ich hab sowas früher nie gemacht, jetzt ist mir alles egal. Ich wusste, dass er nicht da sein würde, aber irgendwie hab ich trotzdem gehofft, das er kommt. Wahrscheinlich hätte ich am Ende ähnlich dagestanden wie du.

Keine Widerworte. Das schmerzt. Der Verlust der Würde noch mehr. Aber eigentlich, so finde ich, ist das, was du getan hast, nicht so würdelos, wie du denkst. Seine Gefühle preisgeben scheint mir mehr ein Akt des Mutes. Ja, der Grat zwischen Mut und Dummheit ist schmal. Aber in der Welt der schmerzhaften Erinnerungen und Gefühlen - sind wir da nicht alle ein bisschen dumm?
Vielleicht wird's scheiße die nächsten Wochen. Vielleicht ist es auch schon in ein paar Tagen vergessen. Oder verdrängt.
Es ist geschehen und sicher nicht wert, dem Passierten auch nur eine Träne nachzuweinen.

Blabla. Die schlechte Ratgeberin. D:

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